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2 Sendeenergie erwärmt die Luftmoleküle
Unsere Beiträge zum Naturschutz "muna 2003:
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3
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© Klaus-Peter Kolbatz
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Nachrichten : Tschernobyl "Unfall im Atomreaktor" Tschernobyl und die Folgen der Reaktorkatastrophe vom 26.4.1986?
NEWS: 28.06.07 Brand: Zwei norddeutsche AKWs abgeschaltet Welchen Anteil hat die Reaktorkatastrophe am Klimawandel ? (siehe hierzu auch "Kernreaktion und Energie") Die Chronik der Katastrophe 26. April 1986:
27. April 1986: 28. April, 21 Uhr:
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20. April 1989:
Die sowjetische Regierung beschließt einen Baustopp für den fünften und
sechsten Reaktorblock im Kraftwerk Tschernobyl.
12. Juli 1990:
Weißrußland erklärt sich zum ökologischen Notstandsgebiet. Die Ukraine
beschließt eine kostenlose medizinische Versorgung der Tschernobyl-Opfer
aus dem Umkreis des Reaktors. Sie sollen einen Lohnzuschlag und 30 Rubel zum
Kauf radioaktiv unbelasteter Lebensmittel erhalten.
23. April 1991:
In offiziellen Schätzungen wird bekannt gegeben, daß bei dem Reaktorunglück
insgesamt 509 Millionen Curie freigesetzt worden sind. Die Halbwertzeit des
hochgiftigen Plutoniums beträgt 24.360 Jahre, d.h., daß erst nach 348
Generationen die Hälfte des radioaktiven Stoffs zerfallen sein wird.
26. April 1991:
Über 100.000 Menschen leben wieder in den evakuierten und gesperrten
Regionen.
8. Dezember 1995:
In einem Tschernobyl-Memorandum
legen die Ukraine und die G7-Staaten die Stillegung der zwei noch
funktionierenden Reaktoren in Tschernobyl
fest. Nach der Aussage des ukrainischen Umweltministers Kostenko ist jedoch in
dem Memorandum kein fester Zeitpunkt mehr festgelegt. Von westlicher Seite
wird dies bestritten.
(Quelle: Franke, F./ Schreiber, N./ Vinzens, P.; Verstrahlt, vergiftet,
vergessen: Die Opfer von Tschernobyl
nach zehn Jahren; Frankfurt a.M./Leipzig, 1996.)
VIDEO
Tschernobyl Reaktorunfall 20
Jahre später

ohne Worte
Gesundheitliche Folgen von Strahlung -
| Das Kernkraftwerk Tschernobyl, rund 130 km nordwestlich von Kiew
(Ukraine) und kurz vor der Grenze zu Weißrussland gelegen, bestand aus
4 Reaktorblöcken, die zwischen 1977 und 1983 ans Netz gegangen sind.
Der Reaktorunfall in Tschernobyl wurde durch die Kernschmelze in dem Reaktorblock 4 am 26. April 1986 ausgelöst. In Folge des Unfalls, bei dem etwa 3 - 4 % des Schwermetallanteils (Uran, Plutonium usw.) des Reaktorkerns in die Umgebung geriet, gelangten weitere zahlreiche Radionuklide, vor allem Jod 131, Cäsium 134 und Cäsium 137 bis nach West- und Nordeuropa und führten auch dort zu einer teilweise nicht unerheblichen Strahlenbelastung der Menschen. Entgegen den anfangs geäußerten Befürchtungen ist es aber zu keinerlei Steigerungen von Schädigungen der Nachkommen, bösartigenTumoren oder Leukämien gekommen. Eine, allerdings sehr große Ausnahme, bilden jedoch die bis zum Jahr 2003 beobachteten rund 2.000 zusätzlichen Schilddrüsenkrebse in der Ukraine, Russland sowie Weißrussland, vor allem bei Kindern. Interessanterweise gab es im benachbarten Polen praktisch keinen Anstieg der Schilddrüsenkrebse, da in Polen sehr frühzeitig mit der Ausgabe von nicht radioaktiven Jodtabletten zur Prophylaxe begonnen war. FOTO: Sasha ist eines der Tschernobyl-Kinder und lebt im Waisenhaus von Vesnova. |
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"Tschernobyl
- noch lange nicht zu Ende"
Eine neu vorgelegte Studie der atomkritischen Ärzteorganisation
IPPNW und der Gesellschaft für Strahlenschutz hat die 2005 vorgelegten Zahlen
des Tschernobyl-Forums unter Federführung der Internationalen Atomenergie
Organisation (IAEO) Lügen gestraft. Diese Unstimmigkeiten könnten nicht
verwundern, so Frau Dr. Claussen von der IPPNW. Schließlich habe die IAEO laut
ihrer Satzung das Ziel zur Förderung der Atomenergie.
Dr. med. Angelika Claußen ist seit 1987 Mitglied der
IPPNW und seit 2005 Vorsitzende der deutschen IPPNW-Sektion.
ARTE : Die IPPNW hat zu den gesundheitlichen Auswirkungen der
Katastrophe von Tschernobyl soeben eine neue Studie vorgelegt. Sie kommen in großen
Teilen zu anderen Zahlen als das Tschernobylforum 2005…
Dr. Claussen: Das Tschernobylforum 2005 ist eine Gruppe von Organisationen,
deren Federführung die internationale Atomenergie-Organisation hat. Die IAEO
spricht in ihrer Presserklärung von nur 50 Strahlentoten und 4000 noch zu
erwartenden Krebs- und Leukämietoten. Diese Zahlen sind nachweislich falsch.
Zudem fallen Unstimmigkeiten in der Studie auf: Der originalen Langfassung der
Studie ist die Zahl von 9000 zu erwartenden Toten zu entnehmen, in der zitierten
Originalstudie, aus der diese Zahl stammt, ist von 10 - 22 000 Toten die Rede.
Drei unterschiedliche Zahlenangaben durch die selbe Organisation - Das ist
unserer Meinung nach reine Politik und hat nichts mehr mit Wissenschaft zu tun !
Diese Empörung war für uns Anlass, selber nachzuforschen, andere Literatur mit
einzubeziehen – insbesondere bisher nicht übersetzte Literaturstudien aus den
betroffenen Gebieten selber.
Welches sind die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Studie ?
600 000 bis 1 Million "Liquidatoren" waren direkt nach dem Unfall
damit beauftragt, den Reaktor aufzuräumen. 50 000 bis 100 000 von ihnen sind
bereits gestorben. Die Registraturbehörden in Russland, der Ukraine und
Weissrussland geben übereinstimmend an, dass 90 % (bis zu 900 000) der Aufräumarbeiter
heute schwer krank sind: Neben Krebserkrankungen sind diese Menschen von
hirnorganischen Erkrankungen, Erkrankungen der Sinnesorgane,
Atemwegserkrankungen, Erkrankungen der Verdauungsorgane und Erkrankungen des
endokrinen Systems (Schilddrüse und Bachspeicheldrüse) betroffen.
Auch die Kinder dieser Aufräumarbeiter und anderer Menschen aus den
kontaminierten Gebieten sind häufig schwer erkrankt – was eindeutig belegt,
dass wir es mit einem transgenerationellen Schaden zu tun haben. Tschernobyl ist
noch lange nicht zu Ende. Aus der genetischen Forschung ist bekannt, dass die
Schäden in der ersten Generation lediglich zu 10 % zu sehen sind, in den
nachfolgenden sieben Generationen kommen die übrigen 90 % zum Tragen. Wir sehen
heute erst die Spitze des Eisberges…
Welche Strahlungsschäden können für Westeuropa verzeichnet werden ?
In Westeuropa ist mit 53 % insgesamt mehr an Strahlung heruntergekommen als in
den unmittelbar betroffenen Ländern. Bereits bekannt ist der Anstieg der Säuglingssterblichkeit
in mehreren europäischen Ländern. In Bayern, wo sehr viel Strahlung
heruntergekommen ist, gab es 1000 bis 3000 zusätzliche Fehlbildungen, für
Europa insgesamt wird mit bis zu 10 000 schwerwiegenden Fehlbildungen gerechnet.
Unter Bezug auf UNSCEAR, dem wissenschaftlichen Strahlenkommitee der UNO, kommt
man auf 12 000 bis 83 000 mit genetischen Schäden geborene Kinder in der
Tschernobylregion und auf 30 000 bis 207.500 weltweit.
Welche Faktoren erschweren in der Tschernobyl-Katastrope die Erhebung
von Daten ?
Der erste grundsätzliche Fehler bestand darin, dass die Sowjetunion ihre Daten
drei Jahre lang geheimgehalten hat. Sie hat zudem Anweisung gegeben, Kranke
nicht zu registrieren und dafür gesorgt, dass falsche Eintragungen erfolgten.
Darum liegen heute keine korrekte Zahlen zur Menge der entwichenen Strahlung
vor.. Auch aus den später durchgeführten Bodenmessungen kann man nur schwer
schließen, wie viel Strahlung die dort lebenden Personen tatsächlich
aufgenommen haben. Zur Berechnung der Daten werden Umrechnungsfaktoren und Schätzfaktoren
verwendet, das Ergebnis können immer nur Annäherungswerte sein. Zudem hat auch
die Strahlenwissenschaft mit der Zeit dazugelernt und ihre Umrechnungsfaktoren
von Tschernobyl bis heute teilweise bis um das vier-fache erhöht. Auch aus
diesem Grunde wird es die "wahren" Zahlen nie geben.
Muss man davon ausgehen, dass auch im Westen wissentlich fehlinformiert
wurde ?
Leider ja. Mehrere Beispiele belegen, dass auch die internationale
Atomenergiebehörde Informationen unterschlagen hat. Auf der ersten
Tschernobylkonferenz 1991 hieß es, dass es bei Kindern keine Erhöhung von
Schilddrüsenkrebserkrankungen gäbe, zu diesem Zeitpunkt lagen dem Experten des
Komitees bereits entsprechende Unterlagen über die Krebserkrankungen der
betroffenen Kinder vor. 10 Jahre später sagte die IAEO, dass es außer ein paar
behandelbaren Schilddrüsenkrebsfällen keine weiteren direkt auf Tschernobyl
zurückzuführenden Erkrankungen gäbe. Bekannt waren jedoch sowohl die
genetischen Schäden als auch die anderen schweren Erkrankungen der
Liquidatoren, entsprechende Studien wurden schlichtweg ignoriert. Was die IAEO
zur Bewertung der Atomenergie und zu ihren Folgen unternimmt, ist aus unserer
Sicht katastrophal.
Wie steht es um die Sicherheit der angeblichen risikofreien Reaktoren in
Europa ?
In jedem Atomkraftwerk kann jederzeit ein Unfall geschehen. Man sollte nicht
immer nur von den „scheußlichen“ osteuropäischen Reaktoren sprechen –
alleine in Deutschland gibt es mit Biblis A und B, Brunsbüttel und
Neckarwestheim 1 vier sogenannte „Schrottreaktoren“, die sofort abgeschaltet
werden sollten, weil sie keinen aktuellen Sicherheitsnormen mehr entsprechen.
Tatsache ist aber, dass das Energieversorgungsunternehmen RWE, das unter anderem
Biblis A unterhält, für den Reaktor einen Antrag auf Laufzeitverlängerung
stellen möchte…
Unserer Meinung nach gehören alle Atomkraftwerke ab sofort ins Technikmuseum
und nirgendwo anders hin.
Sind die Nahrungsmittel in den ehemals kontaminierten Gebieten heute
strahlenfrei ?
Es gibt relativ schadstofffreie Nahrung, aber leider auch noch viel
kontaminierte Nahrung. Die Menschen dort haben vielfach über lange Zeit
kontaminierte Nahrung zu sich genommen. Diese „innere Strahlung“ spielt bei
der Bewertung der Tschernobylfolgeerkrankung heute eine große Rolle, oft ist
sie sehr viel gefährlicher als die äußere Strahlung, weil sie dichter am
Gewebe ansetzt und die Zellen direkter schädigt. Bis heute gab es kaum
internationale Maßnahmen, die sich dafür einsetzen, dass die dort lebende Bevölkerung
sich mit gesunder Nahrung ernähren kann, und die Opfer eine kostenlose
medizinische Versorgung bekommen können. Die meisten Menschen sind bettelarm
und nach wie vor darauf angewiesen, kontaminiertes Obst zu essen und
kontaminierte Pilze und Beeren im Wald zu sammeln. In diesem Zusammenhang ist es
aus unserer Sicht nur zynisch, dass die IAEO den Betroffenen Opfermentalität
vorwirft und ihnen auch noch selber die Schuld daran gibt, dass es ihnen so
schlecht geht. Alkoholismus und Tabakkonsum, so eine kürzliche Verlautbarung,
seien noch viel schlimmer als die Strahlen von Tschernobyl…
VIDEO Tschernobyl Reaktorunfall 20
Jahre später
Atomenergie - die fragwürdige Energiegewinnung
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Der
Wissenschaftler und Autor des Buches “Kapitalverbrechen an unseren
Kindern” K.-P. Kolbatz, hat die Treibhaustheorie bereits 1988 auf dem
Prüfstand gestellt und mit seiner
Theorie vor der drastischen Zunahme
der Sender gewarnt. |
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Ich kann nicht verstehen warum CO2 ein Schadstoff sein soll, sagt Kolbatz. Es ist doch die Grundlage für alles Leben auf diesem Planeten. Ohne CO2 gibt es kein Wachstum. Und bei erhöhter Konzentration wachsen die Pflanzen eindeutig besser. Damit gab es nie für die Atomenergie eine Existenzberechtigung und der Reaktorunfall in Tschernobyl wäre nie passiert ! Mit Geothermie kann man heizen und Strom produzieren. Ich bin der Meinung, dass hiermit die Chancen zur Stromerzeugung und Temperaturgewinnung tatsächlich gut stehen und alle Atomreaktoren durch Geothermie ersetzt werden können. - Siehe hierzu " 5.) Vorschlag zur "Problemlösung" - Geothermie - Strom für 100.000 Jahre -" Was haben unsere Kinder davon, wenn wir Heute bis an die Grenze unserer Lebensqualität sparen und mit Atomkraftwerke Russisch Roulett spielen. Weiter mit „wie entstand der Schuldenberg?“ |
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08. Dezember 2007 - ERSCHRECKENDE STUDIE
Kinder erkranken neben Atomkraftwerken häufiger an Krebs
Schock für alle Familien, die im Umkreis von Atomreaktoren leben: Mainzer Wissenschaftler haben nachwiesen, dass Kinder im Umkreis von Kernkraftwerken überdurchschnittlich oft an Krebs erkranken. Das Rätselhafte: An der Strahlung liegt es offenbar nicht.
München - Es ist Wissenschaftlerdeutsch und so muss man den zentralen Satz der Untersuchung erst einmal sacken lassen - doch dann sitzt der Schock umso tiefer: "Unsere Studie hat bestätigt, dass in Deutschland ein Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Risiko, vor dem fünften Geburtstag an Krebs (beziehungsweise Leukämie) zu erkranken, beobachtet wird", heißt es laut "Süddeutscher Zeitung" in der Untersuchung. Im Klartext: Die Zahl krebskranker Kinder steigt, je dichter ihr Wohnort an einem der 16 deutschen Reaktorstandorte liegt. Dieser Zusammenhang sei "statistisch signifikant", heiße es in der Studie, die Forscher der Universität Mainz im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz erstellten.
Die Wissenschaftler hatten dem Deutschen Kinderkrebsregister sämtliche Fälle von Kindern unter fünf Jahren entnommen, die zwischen 1980 und 2003 an Krebs erkrankt sind und in der Nähe von Reaktoren aufwuchsen. Bis auf 25 Meter genau bestimmten sie deren Wohnort.
1592 krebserkrankte Kinder und 4735 gesunde Kinder wurden untersucht, die zur selben Zeit in derselben Gegend aufgewachsen waren. Das Ergebnis: Je näher die Kinder am Reaktor aufgewachsen waren, desto höher lag demnach ihr Risiko, an Krebs zu erkranken - und umgekehrt. So seien im Fünf-Kilometer-Umkreis der Reaktoren insgesamt 37 Kinder neu an Leukämie erkrankt, obwohl im statistischen Durchschnitt nur 17 Fälle zu erwarten gewesen wären.
Ein Mitglied des Expertengremiums, das die Studie betreut habe, halte die Schlussfolgerungen sogar für untertrieben, heißt es in der "Süddeutschen" weiter. Nach seiner Ansicht wiesen die Daten sogar auf ein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder im Umkreis von 50 Kilometern hin.
Eine Erklärung für die auffällig vielen Erkrankungen kann die Studie dem Bericht zufolge aber nicht geben. Die Strahlenmenge in unmittelbarer Nähe von Kernkraftwerken reicht aus Sicht von Ärzten bei weitem nicht aus, um vermehrte Krebserkrankungen auszulösen - andere Erklärungen hätten jedoch auch nicht gefunden werden können. Ob Störfaktoren, Selektion oder Zufall bei dem beobachteten Abstandstrend eine Rolle spielten, "kann mit dieser Studie nicht abschließend geklärt werden", heißt es.
In den vergangenen Jahren hatten Forscher mehrfach das Krebsrisiko in der Umgebung von Atomkraftwerken untersucht. Vor allem der schleswig-holsteinische Reaktor Krümmel stand in dem Ruf, Krebserkrankungen von Kindern mitverursacht zu haben. In vorangegangenen Studien kamen die Forscher aber zu widersprüchlichen Erkenntnissen und Interpretationen. Daher habe das Bundesamt für Strahlenschutz Kritiker wie Befürworter der Atomkraft früh in die Planung der neuen Studie einbezogen, berichtete das Blatt.
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28.06.2007
Brand und Kurzschluss: Zwei norddeutsche AKWs abgeschaltet Geesthacht/Brunsbüttel (dpa) - Nach einem Brand und einem Kurzschluss sind am Donnerstag die Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein abgeschaltet worden. Auf dem Gelände des Meilers Krümmel in Geesthacht östlich von Hamburg brach gegen 15.00 Uhr in einer großen Trafostation ein Feuer aus, das am späten Nachmittag gelöscht war. |
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Wie die Feuerwehr mitteilte, hatte sich Kühlflüssigkeit entzündet. Eine Gefahr für den Nuklearbereich bestand nach Angaben des Betreibers Vattenfall Europe nicht. Die Bevölkerung war nach Angaben des Landessozialministeriums nicht gefährdet. Verletzte gab es nicht. Der Reaktor wurde automatisch heruntergefahren. Die Ursache der Entzündung war bis zum Abend noch unklar. |
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Gegen 13.00 Uhr war zuvor das Atomkraftwerk Brunsbüttel an der Unterelbe nach einem Kurzschluss in einer Schaltanlage heruntergefahren und vom Netz getrennt worden. «Es erfolgte in beiden Fällen eine automatische Schnellabschaltung», sagte Vattenfall Europe-Sprecher Ivo Banek. Wann die beiden Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen, war zunächst unklar. Nun müsse erst die Lage gründlich analysiert werden, bevor der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden kann. |
«Es kann durch die Abschaltungen zu Beeinträchtigungen der Stromversorgung gekommen sein», erklärte Banek. Nach Angaben der Polizei fielen in Hamburg zwischen 13.00 und 13.15 Uhr und zwischen 15.00 und 15.15 Uhr fast 800 Ampeln kurzfristig aus.
Gut 100 Feuerwehrleute bekämpften den Brand im Atomkraftwerk Krümmel mit Schaum. Gegen 18.45 Uhr waren die Hauptlöscharbeiten abgeschlossen.
«Es sah dramatischer aus, als es offenbar war», sagte ein Sprecher der Feuerwehr Geesthacht. Nach Berichten von Augenzeugen hüllten riesige schwarze Rauchwolken das Atomkraftwerk ein.
Über die betroffene Trafostation wird der erzeugte Strom in das Netz eingespeist. «Es ist eine Menge Qualm entstanden, weil der 380- Kilovolt-Transformator ölgekühlt ist», sagte Jens Meier, Reaktorexperte im Kieler Sozialministerium. Radioaktivität sei nicht ausgetreten. Die Schadenshöhe konnte nicht beziffert werden, weil der Brandort durch enorme Hitzeentwicklung frühestens am Freitag in Augenschein genommen werden kann.
Nach Ansicht der Umweltorganisation Greenpeace hätte sich der Brand über Kabeltrassen in den Reaktor ausbreiten können. Er sei daher gefährlich gewesen. Eine Messung der Umweltschutzorganisation habe jedoch keine erhöhte Radioaktivität in der Umgebung gezeigt.
Bei der Polizei in Geesthacht gingen am Donnerstag zahlreiche Telefonanrufe ein. «Etwa hundert besorgte Bürger haben in den letzten Stunden angerufen», sagte ein Polizist. Krümmel, größter Siedewasser- Reaktor der Welt, ist nicht unumstritten, er wird immer wieder mit einer Häufung von Leukämiefällen in der unmittelbaren Umgebung in Zusammenhang gebracht. Beweise dafür gibt es nicht. Im letzten Jahr wurden in Krümmel 15 «meldepflichtige Ereignisse» registriert, bestätigte der Betreiber. Der 1984 in Betrieb gegangene Meiler gehört damit zu den störanfälligsten Atomkraftwerken in Deutschland. «Das ist ein Risikostandort hier, man kriegt ja immer gleich Herzklopfen», sagte Bettina Boll aus Geesthacht.
Die zwei am Donnerstag abgeschalteten Meiler liefern nach Angaben der Betreiber zusammen die Hälfte des in Schleswig-Holstein erzeugten Stroms. Krümmel lief mit voller Leistung, als der Brand ausbrach. Über das europäische Verbundnetz könnten solche Ereignisse ausgeglichen werden, sagte Banek. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) wies Sorgen vor Energieengpässen als unbegründet zurück.
Schon kurz nach dem Bekanntwerden der Zwischenfälle setzte die politische Diskussion ein. «Ich fordere sofortige und umfassende Aufklärung des Brandes», sagte der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer. Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) bekräftigte die Grundsatzhaltung seiner Partei, am beschlossenen Atomausstieg strikt festzuhalten.
Atommeiler Krümmel mit den meisten Zwischenfällen
Im Meiler Krümmel bei Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) hat es im vergangenen Jahr bundesweit die meisten Zwischenfälle gegeben. Einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht bestätigte das Bundesumweltministerium am Freitag. Laut "Spiegel" wurden im 1983 in Betrieb genommenen Kraftwerk Krümmel bei Hamburg 15 Zwischenfälle registriert. Der 31 Jahre alte Meiler Brunsbüttel liegt mit elf Störungen hinter dem hessischen Biblis B (14) auf Rang drei in der "AKW-Pannenstatistik".
Insgesamt wurden aus deutschen Atomkraftwerken im vergangenen Jahr 126 Zwischenfälle gemeldet. Laut Gesetz müssen die Kraftwerksbetreiber alle sicherheitsrelevanten Vorkommnisse nach einem abgestuften Verfahren der Atomaufsichtsbehörde anzeigen. Meldepflichtig sind neben schweren Störfällen auch kleinere Pannen wie der zeitweilige Ausfall von Pumpen oder Stromsystemen.
Ministeriumssprecher: "Geringe sicherheitspolitische Bedeutung"
"Die meldepflichtigen Ereignisse hatten keine oder eine geringe sicherheitspolitische Bedeutung", erklärte Ministeriumssprecher Michael Schroeren. Allerdings falle auf, dass mehr als die Hälfte der Fälle in älteren Reaktionen registriert worden sei, die vor 1980 in Betrieb gingen. "Das gibt uns Gründe, sehr genau zu prüfen, ob es tragbar ist, die Laufzeiten zu übertragen von jüngeren auf ältere Kraftwerke." Die Übertragung dürfe nicht zu Lasten der Sicherheit gehen, warnte Schroeren.
Nach einem umstrittenen Beschluss der Bundesregierung sollen die deutschen Atomkraftwerke spätestens 2020/2022 vom Netz gehen. Nach dem beschlossenen Atomausstieg sind viele Kraftwerksbetreiber bemüht, die Restlaufzeiten ihrer älteren Meiler zu verlängern, indem sie vereinbarte Strommengen von jüngeren Kraftwerken übertragen.
04.Juli 2007
Brand in AKW Krümmel hatte doch Auswirkungen auf Reaktor
Kiel (AFP) - Der Brand im Atomkraftwerk (AKW) Krümmel im schleswig-holsteinischen Geesthacht hatte doch Auswirkungen auf das Reaktorgebäude. Dies habe eine Untersuchung des AKW durch Experten ergeben, teilte das Kieler Sozialministerium mit. Die Reaktorsicherheitsbehörde prüfe "mehrere bei der Abschaltung des Reaktors aufgetretene Auffälligkeiten", hieß es in der Mitteilung. So sei es durch den Ausfall einer Reaktorspeisewasserpumpe und durch das unplanmäßige Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen zu einem schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktor-Druckbehälter gekommen.
08.Juli 2007
Vattenfall räumt weitere Panne im AKW Brunsbüttel ein
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Kiel (dpa) - Die Pannenserie in
norddeutschen Atomkraftwerken reißt nicht ab. Nach Angaben des Kieler
Sozialministeriums kam es beim Wiederanfahren des Kernkraftwerks
Brunsbüttel am 1. Juli gleich zwei Mal offenbar durch Fehlbedienungen des
Personals zu ungewollten Absperrungen im Reaktorwasserreinigungssystem.
Das meldepflichtige Ereignis sei der Reaktoraufsichtsbehörde erst "auf den letzten Drücker" am Freitag gemeldet worden, teilte ein Ministeriumssprecher am Sonntag mit. |
Der Kraftwerksbetreiber Vattenfall Europe versicherte, er wolle die Öffentlichkeit künftig besser über Vorkommnisse in seinen Meilern informieren. Meldepflichtige Ereignisse würden ab sofort ins Internet gestellt (www.vattenfall.de). Die jüngsten Vorkommnisse seien auf der Skala der meldepflichtigen Ereignisse mit 0 und damit gering einzustufen, sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek am Sonntag. Sie hätten "keine relavanten betrieblichen oder sicherheitstechnischen Auswirkungen gehabt".
Der Atommeiler Brunsbüttel an der Unterelbe war am 28. Juni nach einem Kurzschluss in einer Schaltanlage automatisch heruntergefahren worden. Drei Tage später ging er wieder ans Netz. Kurz nach dem Störfall in Brunsbüttel war im Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg ein Brand ausgebrochen. In einer Trafostation hatte sich Kühlflüssigkeit entzündet. Der Betreiber Vattenfall verschwieg zunächst Bedienungsfehler des Reaktorpersonals.
Im Kieler Sozialministerium, das für die Atomaufsicht zuständig ist, wurde auch am Wochenende die Aufarbeitung der technischen Panne im Kraftwerk Krümmel fortgesetzt. Dabei sei es auch um Dioxinspuren in Luftfiltern des AKW gegangen, hieß es in einer Pressemitteilung. Zuständige Stellen seien damit beauftragt worden, in der Umgebung von Krümmel Boden- und Pflanzenproben zu entnehmen. Vattenfall selbst wurde aufgefordert, den Boden des Werksgeländes untersuchen zu lassen. Krümmel soll laut Betreiber frühestens in drei Wochen zunächst nur mit halber Kraft wieder ans Netz gehen.
Im Fall Brunsbüttel hatte ein Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde nach Angaben des Ministeriumssprechers bereits am vergangenen Montag bei der Werksleitung explizit nachgefragt, ob es beim Wiederanfahren zu besonderen Vorkommnissen gekommen sei. Der stellvertretende Werksleiter habe dies verneint. "Der Vorfall wird in die Gesamtbewertung des Ereignisses in Brunsbüttel einbezogen", betonte der Sprecher.
An diesem Montag wollen Vertreter des Bundesumweltministeriums, des Kieler Sozialministeriums und des Vattenfall-Konzerns zu einem Gespräch in Kiel zusammenkommen. Dabei geht es nach Angaben des Kieler Ministeriums vor allem um den detaillierten Ablauf der Schnellabschaltung des Kernkraftwerks Krümmel und die "Informationspolitik und Sicherheitskultur des Betreibers Vattenfall".
10.Juli 2007 Explosionsgefahr in AKW
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Das Atomkraftwerk Brunsbüttel muss nach dem Bekanntwerden eines weiteren Zwischenfalls auf ein Viertel seiner Leistung heruntergefahren werden. Offenbar sammelt sich Wasserstoff in verschiedenen Leitungen. Im Klartext heißt das: Explosionsgefahr. Nun müssen die Rohre durchgespült werden. Indessen wird diskutiert, ob Vattenfall als Betreiber der Anlagen Krümmel und Brunsbüttel "zuverlässig" ist. |
| 12. Juli 2007 - Betrunkene Arbeiter in
AKW
Nach den Pannen in Krümmel und Brunsbüttel gerät der Stromkonzern Vattenfall durch Alkoholvorfälle in seinem wichtigsten schwedischen Atomkraftwerk Ringhals stärker unter Druck. Schwedischen Medienberichten zufolge sind in Ringhals mehrere Bauarbeiter in den vergangenen Wochen betrunken erwischt und entlassen worden. Acht Arbeiter seien stark alkoholisiert aufgefallen und hätten außerhalb des Reaktorgeländes in Unterkünften weibliches Reinigungspersonal belästigt. Der Informationschef von Ringhals, Torsten Bohl, sagte der Zeitung «Göteborgs-Posten», die Bauarbeiter hätten keinen Zutritt zur Reaktorhalle gehabt, sondern seien ausschließlich am Erweiterungsbau des Reaktors 3 beschäftigt gewesen. Die Alkohol- und Drogenkontrollen auf dem Gelände seien nach den Vorfällen verschärft worden. In Ringhals brannte im vorigen November ein Trafo, der dann explodierte. Das Kraftwerk in Varberg südlich von Göteborg wird gemeinsam von Vattenfall (70 Prozent) und dem deutschen E.ON-Konzern (30 Prozent) betrieben. Der Meiler mit vier Reaktorblöcken deckt rund 20 Prozent des gesamten schwedischen Stromverbrauchs ab. Bereits im Vorjahr hatte es Berichte über Alkoholprobleme im Vattenfall-AKW Forsmark nördlich von Stockholm gegeben. Dort war im Sommer 2006 ein Reaktor beinahe außer Kontrolle geraten. Nach einem Stromausfall sprangen Notaggregate zur Reaktorkühlung nicht an, im Kontrollraum fielen die Computer aus. Wie die schwedische Nachrichtenagentur TT am Mittwoch berichtete, plant will Vattenfall nun, in Ringhals strikte Alkoholkontrollen an den Eingängen einzuführen. Auch im südschwedischen Atomkraftwerk Oskarshamn, an dem E.ON, aber nicht Vattenfall beteiligt ist, sollen ab Herbst an den Drehkreuzen alle Mitarbeiter auf Alkohol und Drogen untersucht werden, die im Bereich von Reaktoren, Turbinen und Werkstätten beschäftigt sind. Die Werksleitung in Forsmark will noch abwarten und auf umfassende Alkohol- und Drogenstichproben bei den Arbeitern setzen. Nach der Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel schließt unterdessen auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nicht aus, dass dem Betreiber Vattenfall die Betriebserlaubnis entzogen wird. «Das prüft die Landesatomaufsicht in Kiel aus gutem Grund», sagte Gabriel der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse». Er wolle den Ergebnissen nicht vorgreifen, aber er glaube, «dass Vattenfall im eigenen Interesse gut daran täte, sich bei der Aufklärung der Vorgänge in seinen Atomkraftwerken kooperativer zu zeigen». Der Bundesumweltminister wies erneut darauf hin, dass es «gravierende Fehler und Kommunikationsprobleme des Betriebspersonals» in Krümmel gegeben habe. Deshalb sei ein Gespräch der Aufsichtsbehörden mit den verantwortlichen Mitarbeitern vor Ort unerlässlich. «Für mich ist vollkommen unverständlich, dass sich Vattenfall hier bisher verweigert. Wir brauchen umfassende Aufklärung», betonte Gabriel. |
Freitag, 13. Juli 2007
Polizei im AKW Krümmel
Nach den Zwischenfällen im Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg haben sich Polizisten mit einem Durchsuchungsbeschluss Zutritt zu Leitstand und Büros der Anlage verschafft. Danach konnten die Ermittler den Reaktorfahrer des Unglückstags befragen, teilte der Lübecker Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schultz mit.
Vor der Aktion habe der Betreiber Vattenfall die Personalien des Angestellten den Behörden nicht geben wollen. "Nach Vorlage der Beschlüsse war die Leitung bereit, den Namen zu nennen. Man hat nicht die Schränke durchwühlen müssen", sagte Schultz.
Fahrlässige Körperverletzung?
Der Staatsanwaltschaft geht es um den Hintergrund des Trafo-Brandes am 28. Juni. Damals war Rauch in den Leitstand gelangt, der Reaktorfahrer musste Atemschutz anlegen. "Es ist daher nicht auszuschließen, dass er Anzeichen einer Rauchvergiftung wie Reizungen der Schleimhäute, Atemnot oder Ähnliches erlitten hat." Dies könne den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung erfüllen.
Der für Vattenfalls Atomkraftwerke zuständige Geschäftsführer Bruno Thomauske wies den Vorwurf zurück, sein Unternehmen würde Ermittlungen behindern. "Wir hatten versucht, gestern Abend noch Kontakt mit der Staatsanwaltschaft aufzunehmen." Dies sei nicht gelungen. Thomauske sagte, es gebe ein schützenswertes Interesse des Reaktorfahrers, das Unternehmen müsse seine Fürsorgepflicht ihm gegenüber wahrnehmen.
Schleswig-Holsteins Justizminister Uwe Döring (SPD) stützte das Vorgehen der Staatsanwälte. "Trotz der Zusage, die Öffentlichkeit umfassend und umgehend zu informieren, verweigert Vattenfall der Staatsanwaltschaft die Einsicht in die Dienstpläne." Auf diese Art die Ermittlungen zu behindern, sei "nicht akzeptabel". Im Landtag fügte er hinzu: "Ich bin fassungslos über so ein Verhalten."
Vattenfall reagiert - mit Pressearbeit
Zumindest bei der Öffentlichkeitsarbeit will sich der Konzern künftig besser aufstellen. Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher wolle künftig einen Berater beschäftigen, der ihn in der Berliner Zentrale über meldepflichtige Vorkommnisse in AKW informiere, berichtete die "Wirtschaftswoche". Der Berater solle auch für Rauscher abwägen, welche Informationen an die Öffentlichkeit gegeben werden sollen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz rechnet damit, dass Vattenfall sich mit einem "Bauernopfer" aus der Affäre ziehen will. Dies hätten andere Vorfälle in den Anlagen Forsmark (Schweden) und Brunsbüttel gezeigt, sagte BUND-Atomexperte Thorben Becker. "Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab: Vertuschen, verheimlichen, verschweigen. Dann werden einige Mitglieder des Bedienpersonals geopfert und man verspricht eine bessere Informationspolitik."
Betriebserlaubnis für Krümmel auf der Kippe
Krümmel war nach dem Brand automatisch vom Netz gegangen und steht seither still. Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD), die auch für die Atomaufsicht zuständig ist, sagte: "Ich habe alle Register gezogen und erreicht: Krümmel bleibt vorerst abgeschaltet."
Ob das AKW Krümmel, in dem es eine ganze Reihe von Pannen gab, wieder ans Netz geht, ist offen. Das Sozialministerium prüft, ob Vattenfall die Betriebserlaubnis entzogen wird. "Wie es nach der Revision weiter geht, wird sich zeigen", sagte Trauernicht.
An der Dimension der Zwischenfälle ließ Trauernicht keinen Zweifel: Was sich mit Bränden und Schnellabschaltungen zweier Reaktoren binnen zwei Stunden abgespielt habe, sei in Deutschland bisher einmalig. Die Opposition mochte sich mit Trauernichts erneuten harten Attacken auf Vattenfall nicht zufrieden geben - erstmals verlangten auch die Grünen den Rücktritt der eigentlich atomkritischen Ministerin. Die FDP bekräftigte diese Forderung. Das Vertrauen sei dahin, hieß es; mit ihrer Informationspolitik habe die Ministerin ebenso versagt wie Vattenfall.
Die CDU-Fraktion, die im Grundsatz an der Atomenergie festhält, ließ sich auf die Forderung an die schwarz-rote Landesregierung ein, Vattenfall nach den laufenden Zuverlässigkeitsprüfungen gegebenenfalls die Betriebserlaubnis zu entziehen. Trauernicht sagte zu, hier alle Möglichkeiten aus dem Atomgesetz auszuschöpfen.
Anzeige gegen Vattenfall
Umweltschützer fordern einen sofortigen Entzug der Betriebserlaubnis für Krümmel. Der BUND kündigte eine Strafanzeige gegen Vattenfall wegen der Pannenserie im AKW Krümmel an. Es bestehe der Verdacht, dass das Atomkraftwerk nicht ordnungsgemäß betrieben werde. Der BUND sprach von einem "unverantwortlichen Umgang" Vattenfalls mit den Sicherheitsvorschriften.
Erst am Donnerstag hatte Vattenfall mitgeteilt, in Krümmel sei ein weiterer Schaden entdeckt worden: ein etwa zwei Millimeter großes Loch an einem Entlüftungsstutzen der Vorwärmanlage im Turbinenbereich. Radioaktivität sei nicht festgestellt worden.
Vattenfall will nach Angaben des Kieler Sozialministeriums bis Ende der Woche einen Zwischenbericht über die Vorfälle abliefern. Unter Verweis auf diesen Bericht hatte sich der Konzern auch tagelang gegen eine Befragung des Reaktorfahrers und des Schichtführers durch die Atomaufsicht gestemmt. Nun sollen die Mitarbeiter voraussichtlich am Montag befragt werden.
Angeblich weitere AKW-Störfälle aus der VergangenheitAP
Berlin (AP) In den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel soll es nach Angaben der atomkritischen Ärzte-Organisation IPPNW in der Vergangenheit eine Reihe von Wasserstoffexplosionen gegeben haben. Nach der ersten im Mai 1987 im Kernkraftwerk Gundremmingen sei öffentlich vor solchen Störfällen gewarnt worden. Diese Warnung sei jedoch nicht hinreichend ernstgenommen worden, erklärte IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz am Montag in Berlin.
Laut IPPNW kam es im Mai 1987 in Gundremmingen zur Freisetzung radioaktiver Edelgase, weil ein Sicherheits- und Entlastungsventil des Siedewasserreaktors nicht habe geschlossen werden können. Später sei festgestellt worden, dass es auf Grund einer Wasserstoffexplosion zu Verformungen des Ventils gekommen sei. Am 30. Juli 1987 seien bundesweit alle Atomkraftwerksbetreiber, Gutachter und Atomaufsichtsbehörden förmlich vor derartigen Ereignissen gewarnt worden.
Dennoch ist es nach Angaben der Ärzte-Organisation im November 1987 in Krümmel und im September 1999 in Brunsbüttel zu ähnlichen Störfällen gekommen. Eine weitere Wasserstoffexplosion habe es im Dezember 2001 ebenfalls in Brunsbüttel gegeben.
Ein Sprecher des für die Atomaufsicht zuständigen schleswig-holsteinischen Sozialministeriums sagte der AP am Montagabend in Kiel, er könne sich nicht vorstellen, dass diese Vorfälle verschwiegen worden seien, zumal so genannte Weiterleitungsmeldungen des Bundesamtes für den Strahlenschutz der Öffentlichkeit zugänglich seien. Er bestritt zugleich den Vorwurf, dass aus dem Wasserstoff-Problem in Gundremmingen keine Konsequenzen gezogen worden seien: «Bei jeder Meldung wird geprüft, ob das auch woanders passieren kann», sagte der Sprecher. Daraus hätten sich technische Änderungen ergeben, die auch umgesetzt worden seien.
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